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Altkleidercontainer – Was passiert mit Kleiderspenden?

Altkleidercontainer: Kleidung wird nicht nur gespendet sondern auch weiterverkauft und vewertet.

Viele Menschen in Deutschland bringen einen Teil ihrer gebrauchten Kleidung in Altkleidercontainer, insgesamt wohl etwa 9 kg pro Person jährlich. Als Grund geben sie häufig an, bedürftigen Menschen helfen zu wollen. Jedoch wird die Kleidung nicht nur an Bedürftige weitergegeben, sondern auch verkauft, weiterverarbeitet und neben gemeinnützen gibt es auch gewerbliche Altkleidersammler. Wie können wir nun erkennen, was mit unseren Klamotten passiert und wem wir diese überhaupt zur Verfügung stellen? Genau darum geht es in diesem Artikel.

Es ist immer gut, die Kleidung nicht wegzuschmeißen, sondern sie einer weiteren Verwendung zugänglich zu machen! Produktionsaufwand für neue Klamotten wird vermieden und viele Menschen aus aller Welt können unsere alte Kleidung noch gebrauchen. Selbst wenn sie nicht mehr tragbar ist, lässt sie sich zum Beispiel zu Lappen oder Dämmstoffen weiterverarbeiten. Insgesamt also ein ziemlich nachhaltiger Gedanke, der hinter Kleiderspenden steckt, oder? Leider ist der Markt für Altkleidercontainer relativ undurchsichtig: Es gibt gemeinnützige und gewerbliche Sammer, legal und illegal aufgestellte Container und was mit den Klamotten passiert, ist oft nicht klar. Insgesamt wird wohl auch viel mehr Kleidung gespendet, als es Bedürftige gibt, so dass sie sowieso zu einem Teil weiterverarbeitet und gewerblich genutzt wird.

Was passiert mit der Kleidung im Altkleidercontainer?

Grundsätzlich wird die Kleidung erst einmal gesichtet und nach Qualität sortiert. Das Deutsche Rote Kreuz gibt an, dass etwa 10 % Abfall sind, 35 % nicht mehr tragbar und 55 % als Kleidung weiterverwendet werden können. Was dann im Endeffekt mit der Kleidung passiert und wem sie zugutekommt, hängt vom Aufsteller des jeweiligen Altkleidercontainers ab.

Gemeinnützige Aufsteller sortieren die Kleidung und stellen benötigte tragbare Sachen Bedürftigen zur Verfügung. Das kann zum Beispiel in Kleiderkammern vor Ort geschehen. Das Problem ist, dass viel mehr Klamotten abgegeben werden, als letztendlich für die Weitergabe benötigt wird. Deshalb werden die restlichen Sachen dann häufig an textilverwertende Firmen verkauft und der Erlös wiederum gespendet. Damit können dann auch Kosten für die Logistik durch die gemeinnützigen Organisationen gedeckt werden. Wenn man seine Kleidung in einen solchen Container gibt, entspricht das, wenn auch in Teilen über Umwege, einer wirklichen Spende. In weltweiten Krisengebiete wird die Kleidung übrigens meist nicht gebracht, da dort eher Medikamente, Zelte, Matratzen, Decken und sowas benötigt werden und dann bringen die Organisation die Kosten eher dafür auf, als für den Transport von Kleidung.

Auch textilverwertende Unternehmen stellen Altkleidercontainer auf. Diese stehen häufig auch auf Privatgrundstücken, wie zum Beispiel Supermarktparkplätzen. Diese Unternehmen haben ein gewerbliches Interesse an der Kleidung. Die „gespendeten“ Klamotten werden gesichtet, sortiert, gegebenenfalls weiterverarbeitet und zu einem großen Teil ins Ausland geschafft, um dort veräußert zu werden. Insbesondere Afrika ist ein großer Markt für gebrauchte Kleidung aus den Industriestaaten. Dort wird sie in Bündeln an Händler vor Ort verkauft, die wiederum oft günstiger angeboten werden kann, als einheimisch hergestellte. Wer sich für dieses Thema interessiert, wird unter dem Stichwort Mitumba (Swahili für Bündel) fündig. Was klar wird, ist, dass bei einer Kleiderspende in einen solchen Container also keine Spende für Bedürftige stattfindet, sondern wir unsere Kleidung einer gewerblichen Weiterverarbeitung zur Verfügung stellen.

Darüber hinaus gibt es auch illegal aufgestellte Container, die sich der Kontrolle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes entziehen. In Deutschland sollen dies etwa 40.000 Stück sein. Normalerweise muss eine Altkleidersammlung gemäß dem Kreislaufwirtschaftsgesetz angemeldet werden und darf nur unter ausdrücklicher Zustimmung des Grundstückseigentümers erfolgen. Aber gerade wenn die Textilpreise relativ hoch sind, häufen sich die Aufstellungen solcher illegalen Altkleidercontainer. Auf ihnen sind oftmals keine oder falsche Kontaktdaten angegeben, so dass man nicht sehen kann, an welche Organisation man seine Kleidung gibt. Außerdem kann durch den Gesetzgeber nicht nachvollzogen werden, ob die Kleidung ökologisch verträglich weiterverarbeitet oder genutzt wird. Nicht zuletzt wird dadurch gemeinnützigen und ordentlich angemeldeten gewerblichen Organisationen Kleidung vorenthalten, was sich natürlich auf Arbeitsplätze und Steuerzahlungen auswirken kann.

Was können wir als Konsumenten tun?

Aus ökologischer Sicht ist es wiegesagt immer sinnvoll, seine Kleidung weiterzugeben und nicht in den Restmüll zu schmeißen. Die Frage ist: Was soll mit meiner Kleidung passieren und wem soll das gegebenenfalls gewonnene Geld zur Verfügung kommen?

Wenn ihr eure Kleidung für einen guten Zweck spenden möchtet, dann haltet Ausschau nach den Logos von euch bekannten, gemeinnützigen Organisationen. Diese kennzeichnen ihre Altkleidercontainer meist offensichtlich mit ihrem Namen und ihren Adressdaten. (Achtung: Es gibt auch gewerbliche Firmen, die sich Logos von karitativen Einrichtungen gegen einen gewissen Geldbetrag mieten und diese für ihre Sammlung nutzen. Sie müssen dies dann aber ersichtlich kenntlich machen.) Verbände, die für gemeinnützige Zwecke Container aufstellen, können zum Beispiel das Deutsche Rote Kreuz, die Malteser oder der Sozialdienst katholischer Männer sein. Es gibt zudem das DZI-Siegel und das grüne Zeichen von Fairwertung für gemeinnützige Organisationen, die dann auf dem Altkleidercontainer angebracht sind. Wenn ihr keinen solchen Container in eurer Nähe habt, gibt es natürlich auch andere Möglichkeiten, Klamotten zu spenden: Ihr könnt direkt in die Kleiderkammern gehen oder mittlerweile gibt es auch Initiativen, denen ihr eure Kleidung kostenlos per Post schicken könnt.

Eine Liste legaler Altkleidercontainer in Deutschland gibt es für (fast) jede Stadt auf http://www.altkleiderspenden.de einzusehen. Ansonsten kann man Container seriöser gemeinnütziger und gewerblicher Organisationen oft auch am bvse-Qualitätssiegel vom Fachverband Textilrecycling erkennen. Auf deren Homepage sind die ausgezeichneten Organisationen auch aufgeführt. Zu den Standards dieses Siegels gehört unter anderem, dass die teilnehmenden Unternehmen ihre Kontaktdaten und den jeweiligen Verwendungszweck auf den Containern mitteilen.

Letztendlich ist es also unserer Wahl überlassen, wen, beziehungsweise welche Organisation wir mit unseren Klamotten unterstützen. Dabei können solche Maßnahmen wie die Siegel, gut ersichtliche Kennzeichnung der Container und Transparenzinitiativen helfen. Aber bei 40.000 illegalen Containern kann man auch schnell mal danebengreifen, oder? Was haltet ihr von dem Thema? Habt ihr bislang darauf geachtet, in was für einen Altkleidercontainer ihr eure Klamotten werft? Und wie geht ihr künftig mit diesem Thema um?

Quellen:

http://www.altkleiderspenden.de

http://blog.altkleiderspenden.de

http://www.bvse.de/448/Textilsiegel

http://www.bvse.de/pdf/oeffentlich/Alttextil/130604_Ergebnisse_forsa_final.pdf

http://www.bvse.de/453/6537/Was_tun_gegen_unseri____se_Sammlungen_

https://www.drk.de/spenden/spenderservice/spendentransparenz/kleidersammlung/

http://www.fairwertung.de/dachverband/index.html

http://www.fairwertung.de/info/hintergrund/logokauf/index.html

https://www.gesetze-im-internet.de/krwg/__18.html

http://www.nachhaltigleben.ch/themen/oekomode/altkleidersammlung-ist-die-kleiderspende-umweltfreundlich-2292

http://www.transparenz.net/drk-was-passiert-mit-kleiderspenden-wirklich/

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