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Was steckt hinter den Energieeffizienzklassen?

Das EU-Energielabel für Energieeffizienzklassen

Stellt euch vor, ihr braucht einen neuen Kühlschrank, einen neuen Fernseher, eine neue Waschmaschine oder ein neues Auto und überall kleben diese Schilder dran, die euch über die Energieeffizienz des Geräts aufklären sollen. Aber welche Informationen stecken wirklich hinter den Energieeffizienzklassen und wie gut funktioniert das System letztendlich?

Energieeffizienzklassen sind Bestandteil des europäischen Energielabels, das es seit circa 1998 gibt. Auf dem Energielabel sind, neben den Effizienzklassen, Piktogramme mit weiteren Informationen zum Produkt dargestellt. Bei einem Kühlschrank können dort zum Beispiel sein jährlicher Energieverbrauch, sein Volumen und seine Lautstärke stehen. In der EU sind diese Label für viele Haushalts-Großgeräte verpflichtend. Das heißt Hersteller, Händler und Importeure müssen dafür sorgen, dass die Labels im Handel gut sichtbar an den Geräten angebracht sind, damit potenzielle Käufer  auf den ersten Blick relevante Informationen zum Gerät und zu seiner Energieeffizienz erhalten können. Das Ziel dieser Label ist es, durch bessere Vergleichbarkeit und höhere Transparenz Käufern zu helfen, das energieeffizientere Produkt zu wählen. Es wird davon ausgegangen, dass Verbraucher die Energieeffizienz vermehrt in ihre Kaufentscheidung mit einbeziehen und dadurch Hersteller dazu animiert werden, energieärmere Geräte herzustellen.

Wer hat sich das Energielabel ausgedacht?

Die ganze Sache kommt von der EU. Hier gibt es eine EU-Rahmenrichtlinie (30/2010/EU, Stand: 25.04.2016), die von der Bundesrepublik Deutschland im Energieverbrauchskennzeichnungsgesetz (EnVKG) und der Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung (EnVKV) in das deutsche Recht umgesetzt ist. Das ganze hängt, soweit ich weiß, mit der Einigung der EU-Mitgliedsstaaten vom Jahr 2007 zusammen, bis 2020 ihren Primärenergieverbrauch um 20 % reduzieren zu wollen.

Welche Geräte müssen mit dem EU-Energielabel gekennzeichnet werden?

Das sind mittlerweile ziemlich viele Produktgruppen, im Endeffekt alles was die EU als verbrauchsrelevante Geräte bezeichnet:

  • Haushalts-, Kühl und Gefriergeräte
  • Weinlagerschränke
  • Haushalts-Geschirrspüler
  • Elektro-Backöfen
  • Dunstabzugshauben
  • Staubsauger
  • TV-Geräte
  • Haushalts-Waschmaschinen

Das Label gibt es mittlerweile auch in etwas abgewandelter Form. Autos, die zum Verkauf angeboten werden, müssen zum Beispiel über ihre CO2-Effizienzklasse informieren.

Wie werden Energieeffizienzklassen berechnet?

Die Energieeffizienzklassen werden in einem Diagramm von A (sehr effizient) bis G (eher nicht effizient) dargestellt, wobei es zur besseren Unterscheidung mittlerweile auch die Klassen A+, A++ und A+++ gibt. Für jede Produktgruppe gibt es entsprechende EU-Verordnungen und Richtlinien in denen ein fiktives Referenzgerät mit bestimmten Verbrauchsmerkmalen festgelegt ist. Ein Kühlschrank wird also mit einem fiktiven Kühlschrank verglichen und kann dann in die passende Energieeffizienzklasse eingeordnet werden. Der Vergleichswert nennt sich Energieeffizienzindex und je kleiner er ist, desto energieeffizienter der Kühlschrank. Bei Kühlschranken wird dabei aber nicht nur auf den jährlichen Energieverbrauch geachtet, sondern unter anderem auch das Nutzvolumen der einzelnen Fächer und deren niedrigste Temperatur mit einbezogen. Außerdem müssen immer die gleichen Messbedingungen herrschen.

Für Kühlschränke gelten zum Stand 01.07.2014 folgende Energieeffizienzklassen:

Energieeffizienzklasse Energieeffizienzindex (EEI in % des Energieverbrauchs im Vergleich zum Referenzgerät)
A+++ (höchste Effizienz) EEI < 22
A++ 22 ≤ EEI < 33
A+ 33 ≤ EEI < 42
A 42 ≤ EEI < 55
B 55 ≤ EEI < 75
C 75 ≤ EEI < 95
D 95 ≤ EEI < 110
E 110 ≤ EEI < 125
F 125 ≤ EEI < 150
G (geringste Effizienz) EEI ≥ 150

Quelle: http://www.zvei.org/Publikationen/ZVEI%20Brosch%C3%BCre%20Energielabel%206%20%20Auflage%20-%20Sept%202014_f.pdf

 

Die Energieeffizienz-Tabelle für den Kühlschrank gibt es auch für alle anderen verbrauchsrelevanten Produkte, für die diese Label vorgeschrieben sind. Das Ding ist, dass der Energieeffizienzindex immer auf unterschiedlichen Faktoren beruht und auch die EEI-Bereiche jeweils unterschiedlich definiert sind. Hier zum Beispiel die Energieeffizienzklassen für TV-Geräte:

Energieeffizienzklasse Energieeffizienzindex (EEI in % des Energieverbrauchs im Vergleich zum Referenzgerät)
A+++ (höchste Effizienz) EEI < 0,10
A++ 0,10 ≤ EEI < 0,16
A+ 0,16 ≤ EEI < 0,23
A 0,23 ≤ EEI < 0,30
B 0,30 ≤ EEI < 0,42
C 0,42 ≤ EEI < 0,60
D 0,60 ≤ EEI < 0,80
E 0,80 ≤ EEI < 0,90
F 0,90 ≤ EEI < 1,00
G (geringste Effizienz) 1,00 ≤ EEI

Quelle: http://www.zvei.org/Publikationen/ZVEI%20Brosch%C3%BCre%20Energielabel%206%20%20Auflage%20-%20Sept%202014_f.pdf

 

Was sind die Schwierigkeiten beim EU-Energielabel?

An sich bringt das Energielabel eine gewisse Vergleichbarkeit und es lässt auf den ersten Blick die Energieeffizienz unterschiedlicher Produkte der gleichen Kategorie miteinander vergleichen. Aber es wird leider nicht klar, welche Faktoren zu der Berechnung der Effizienzklasse bzw. des Energieeffizienzindex berücksichtigt werden. Wie werden die Geräte wirklich miteinander verglichen? Und wie viel Einsparung habe ich denn von Klasse zu Klasse? Rechnet sich das überhaupt ein teureres Produkt zu kaufen, wenn es dann etwas weniger verbraucht? Welche Rolle spielt die nachhaltige Herstellung der Produkte?

Was ins Auge fällt, ist dass die Effizienzklassen bei verschiedenen Produkten jeweils auf produktspezifischen Faktoren beruhen und die Einteilung in A+++ bis G immer unterschiedlich erfolgt. Das heißt, dass bei einer Glühlampe die Energieeffizienzänderung von A zu A+ wahrscheinlich anders ausfällt als bei einem TV-Gerät.

In anderen Quellen (s.u.) habe ich zudem gelesen, dass es in Teilen Probleme mit den Messbedingungen gab. Es soll wohl mal eine Zeit gegeben haben, da konnten TV-Hersteller bei der Messung die Bildschirmhelligkeit beliebig verringern und so natürlich viele bessere Energieeffizienzklassen erreichen. Es kann also sein, dass die angegebenen Verbrauchswerte auf den EU-Labels von denen bei der täglichen Nutzung abweichen.

 

Was können wir Konsumenten tun?

Die Energieeffizienzklassen bzw. die EU-Label stellen eine gewisse Vergleichbarkeit zwischen Produkten der gleichen Kategorie her und sind, denke ich, sinnvoll, wenn man sie in eine Kaufentscheidung mit einfließen lässt. Höhere Energieeffizienz bedeutet in der Hinsicht jedenfalls auch immer ein Stück weniger Umwelt- und Kostenbelastung (den Produktionsprozess mal außen vor gelassen). Darüber hinaus kann man natürlich auch immer andere Faktoren mit berücksichtigen: Wie groß muss mein Kühlschrank oder mein Fernseher sein? Wie oft nutze ich das Gerät? Welchen Komfort brauche ich? Wie nachhaltig ist das Produkt? Wie wird es produziert? Und vieles mehr…

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Wirtschaftlichkeit des Produktes. Wenn wir gucken wollen, welches Gerät sich über lange Sicht rentiert, hilft die Energieeffizienzklasse nur bedingt. Da müssen die Kühlschränke dann eher über ihren Anschaffungspreis, Verbrauchswerte und den daraus resultierenden Kosten verglichen werden.

Habt ihr sonst noch Ideen, welche Faktoren man beim Kauf eines Elektrogerätes berücksichtigen kann? Dann immer gerne in die Kommentare!

 

Quellen:

https://www.bmwi.de/DE/Themen/Energie/Energieeffizienz/eu-energieeffizienz-richtlinie.html

http://www.energie-sparen-aktuell.de/energie-effizienzklasse-energiesparlabel-fernsehgeraete/

http://www.gefrierschrankinfo.de/effizienz.html

http://www.gesetze-im-internet.de/envkv/index.html#BJNR261600997BJNE001305305

http://www.haustechnikdialog.de/SHKwissen/2049/Energieeffizienzindex

http://www.newenergylabel.com

http://stromeffizienz.de/themen/eu-energielabel/

https://www.test.de/Veraltetes-Energie-Label-Nicht-erster-sondern-dritter-Platz-1394101-0/

https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/481/dokumente/datenblatt_643-2009_haushalts-_kuehl-_und_gefriergeraete.pdf

http://www.zvei.org/Publikationen/ZVEI%20Brosch%C3%BCre%20Energielabel%206%20%20Auflage%20-%20Sept%202014_f.pdf

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