konsumgedanken.de

Von Bodenhaltung und freilaufenden Hühnern – Was steckt hinter den Haltungsformen für Legehennen?

Es gibt vier unterschiedliche Haltungsformen für Legehennen.

Freilandhaltung ist top, aber Bodenhaltung nicht so? Ich bin mit genau dieser Haltung aufgewachsen, ohne zu wissen, was diese Haltungsformen für Legehennen genau bedeuten. Wenn es euch genauso geht, dann gibt es in diesem Artikel viele Hintergründe zu den vier in Deutschland gängigen Haltungsformen für Legehennen.

Wenn wir Eier kaufen, entscheiden wir uns gleichzeitig immer für die Lebensumstände der jeweiligen Legehennen mit. Mit dem günstigeren Preis wird wahrscheinlich auch die Henne weniger „Lebensluxus“ haben, mit dem höheren wird es ihr vielleicht etwas besser gehen. Es gibt aktuell in Deutschland vier gängige Haltungsformen für Legehennen, die unterschiedliche Lebensbedingungen bedeuten: Kleingruppenhaltung, Bodenhaltung, Freilandhaltung und die Ökologische Erzeugung. Sie unterscheiden sich zum Beispiel im Lebensraum für die Hennen, dem verfügbaren Platz und dem möglichen Auslauf nach draußen. Die konkreten Anforderungen an einzelne Haltungsformen werden im EU-Recht, der deutschen Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung und dem Öko-Kennzeichnungsgesetz  geregelt. Die Verordnungen, die ich zu dem Thema gefunden habe, könnt ihr unten bei den Quellen nachvollziehen.

Grundsätzliches zu Legehennen und Haltungsformen

Das Gesetz versteht unter Legehennen „Hennen, im legereifen Alter der Art Gallus gallus, die für die Erzeugung von Eiern, die nicht zum Ausbrüten bestimmt sind, gehalten werden“ (Richtlinie 1999/74/EG). Legehennen werden etwa 30 bis 40 cm groß und erreichen ein Gewicht von etwa 1,5 bis 2 kg. Im Rahmen der Hybridzucht werden extra Hühner für das Eierlegen gezüchtet. Diese optimierten Legehybride werden durch Gebrauchskreuzungen verschiedener Hühnerrassen erreicht.

Weibliche Küken werden nach meinen Informationen etwa 18 Wochen aufgezogen und übernehmen danach ihre Funktion als Legehuhn für circa 80 Wochen und werden dann geschlachtet und wohl als Suppenhühner verkauft. Männliche Küken werden relativ direkt nach der Geburt aussortiert und durch zum Beispiel Gas oder Schreddern getötet. Die Zucht selbst wird oftmals von großen Betrieben übernommen, wo die Legehennen dann gekauft werden können.

Insgesamt wurden Ende 2014 etwa 40 Millionen Legehennen in Deutschland gehalten, die sich auf die vier Haltungsformen wie folgt aufteilen:

Käfig-/ Kleingruppenhaltung:       11,3 %

Bodenhaltung:                             62,7 %

Freilandhaltung:                          17,5 %

Ökologische Erzeugung:              8,5 %

Die Bodenhaltung hat seit dem Verbot der klassischen Käfighaltung stark zugelegt und ist die dominierende Haltungsform von Legehennen. Aber auch die Freilandhaltung und ökologische Erzeugung haben ihren Anteil an der Gesamtpopulation in einem Zeitraum von sieben Jahren jeweils fast verdoppelt. Es lassen sich also schon Änderungen im Verbraucherverhalten erkennen. Insgesamt wurden mit den etwa 40 Millionen Legehennen 11,8 Milliarden Eier im Jahr 2015 produziert, also 288 Eier je Tier in diesem Jahr. Aber was bedeuten die Haltungsformen für die Legehennen konkret?

Kleingruppenhaltung

Die Kleingruppenhaltung ist in Deutschland ein Auslaufmodell. Im November 2015 hat der Bundesrat beschlossen, dass es diese Haltungsform bis 2025 (in Härtefällen bis 2028) nicht mehr geben soll. Diese Änderung lässt sich in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung nachvollziehen. Bei dieser Haltungsform werden Hühner in Gruppenkäfigen gehalten, die an keiner Stelle niedriger als 50 cm sein dürfen.

 

Mindestfläche je Gruppe: 2,5 m²

Mindesthöhe: 50 cm und 60 cm am Futtertrog

Platz pro Legehenne: 800 cm²-Fläche, wenn es über 2 kg wiegt, dann 900 cm²

Nestfläche: 900 cm² für 10 Tiere, bei mehr als 30 Legehennen muss für jede weitere 90 cm² mehr zur Verfügung stehen

Futtertrog: Uneingeschränkt verfügbar, mindestens 12 cm Länge je Legehenne beziehungsweise  14,5 cm bei mehr als 2 kg Lebendgewicht

Sitzstange: Mindestens 15 cm Länge je Legehenne, 2 Sitzstangen in unterschiedlicher Höhe

Bodenhaltung

In der Bodenhaltung leben Hühner in einem Stall ohne Auslauf nach draußen, sind aber nicht in Kleingruppen zusammengepfercht. Die Haltungseinrichtungen dürfen höchstens aus 4 Ebenen bestehen und zwischen den Ebenen muss ein Platz von mindestens 45 cm Höhe sein. Folgende Daten gelten für die Bodenhaltung:

 

Besatzdaten: Maximal 9 Legehennen pro m² Nutzfläche

Population: Maximal 6000 Hühner ohne räumliche Trennung

Nestfläche: Für je 7 Tiere 875 cm², bei Gruppennestern 1 m² bei höchstens 120 Legehennen

Futtertrog: Mindestens 10 cm bei Längströgen und 4 cm bei Rundtrögen

Sitzstange: Mindestens 15 cm Länge pro Tier

Freilandhaltung

Für die Freilandhaltung gelten bezüglich der Innenräume dieselben Bedingungen wie für die Bodenhaltung. Der Unterschied zwischen diesen Haltungsformen ist jedoch, dass bei der Freilandhaltung Legehennen tagsüber uneingeschränkten Zugang nach draußen haben müssen. Das Draußen ist nach Definition zum größten Teil bewachsen und bietet Schutz vor Widrigkeiten und Raubtieren.

 

Besatzdaten: Maximal 9 Legehennen pro m² Nutzfläche

Population: Maximal 6000 Hühner ohne räumliche Trennung

Nestfläche: Für je 7 Tiere 875 cm², bei Gruppennestern 1 m² bei höchstens 120 Legehennen

Futtertrog: Mindestens 10 cm bei Längströgen und 4 cm bei Rundtrögen

Sitzstange: Mindestens 15 cm Länge pro Tier

Auslauf: Pro Hektar Auslauffläche höchstens 2.500 Tiere, beziehungsweise 1 Legehenne pro 4 m²

Auslauföffnungen: Insgesamt 2m Auslauföffnungen je 1000 Hennen, müssen allen Tieren zugänglich sein

Ökologische Erzeugung

Bei der ökologischen Erzeugung werden die grundsätzlich erstmal die höchsten Ansprüche an die Haltung von Legehennen gestellt. Betriebe, die diese Anforderungen erfüllen, dürfen ihre Produkte beziehungsweise die Verpackungen mit dem EU-Biosiegel kennzeichnen. Unter anderen ist die Fütterung stärker geregelt, so dass den Hennen gewisse Futterzusätze nur noch in Ausnahmefällen gegeben werden dürfen.

 

Besatzdaten: Maximal 6 Legehennen pro m² Nutzfläche

Population: Maximal 3000 Hühner pro Stall

Nestfläche: Für 7 Tiere ein Nest beziehungsweise je Tier 120 cm² Platz

Sitzstange: Mindestens 18 cm Länge pro Tier

Auslauf: 4m² je Legehenne

Auslauföffnungen: 4m je 100 m² Stallfläche

Was bedeutet das für uns Konsumenten?

Schwierige Frage! Was jetzt klar ist, ist dass es für unterschiedliche Haltungsformen unterschiedliche Anforderungen an die Eierproduzenten gibt. Diese Anforderungen existieren erstmal nur auf dem Papier, wie Legehennenhaltung in der Realität aussieht, weiß ich damit noch nicht. Die Frage, die sich jetzt stellt ist die, ob man eine oder mehrere der vier vorgestellten Haltungsformen mit gutem Gewissen unterstützen kann. Auch die Mindestanforderungen für das EU-Biosiegel lesen sich jetzt nicht so, als hätten die Legehennen dort das idyllische Bauernhofleben, was man sich als Konsument vielleicht gerne vorstellt. Auf der anderen Seite sind die Bedingungen in so einem Betrieb wahrscheinlich etwas besser, als in anderen Haltungsformen. Darüber hinaus gibt es noch weitere Siegel wie Neuland oder demeter, die noch höhere und konkretere Anforderungen an Betriebe stellen. Was ich persönlich sehr krass finde ist, dass was mit den männlichen Küken kurz nach ihrer Geburt passiert. Gibt es Betriebe, die das anders gestalten? Das wäre schön…Wie geht es euch denn mit den Haltungsformen? Habt ihr für euch daraus schon Konsequenzen gezogen oder wie geht ihr mit dem Thema um?

 

Quellen:

http://www.biologie-schule.de/huhn-steckbrief.php

http://www.ble.de/SharedDocs/Downloads/02_Kontrolle/01_Qualitaetskontrolle/02_VermarktungsnormenObstGemuese/VO-589-2008_KontrollvorschriftenEier.pdf?__blob=publicationFile

http://de.statista.com/statistik/daten/studie/180320/umfrage/legeleistung-von-hennen-seit-2005/

https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2014/02/PD14_059_413.html

https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Wirtschaftsbereiche/LandForstwirtschaftFischerei/TiereundtierischeErzeugung/Tabellen/Betriebe_Legehennenhaltung_Eiererzeugung_Legeleistung_nach_Haltungsformen2015.html

https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Wirtschaftsbereiche/LandForstwirtschaftFischerei/TiereundtierischeErzeugung/AktuellGefluegel.html;jsessionid=E38A3AD686C356CE7030114579ECAC30.cae1

http://www.deutsche-eier.info/die-henne/rassen/

http://www.dlg.org/dlg-merkblatt_405.html

http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:01999L0074-20140101&from=DE

http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=celex%3A32008R0889

http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=URISERV%3Al12067

http://www.gzho.de/index.php?option=com_content&view=article&id=263:1-2-2-bodenhaltung&catid=22&Itemid=137

http://www.gzho.de/index.php/haltungsverfahren-rahmenbedingungen/149-1-2-1-kleingruppenhaltung

http://www.vetion.de/focus/pages/FText2.cfm?focus_id=47&text_select=268

http://www.wing-vechta.de/toetung_maennliche_kueken/maennliche-kueken.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Hybridhuhn

2 Kommentare

  1. Sebastian

    Spannendes und auch sehr aktuelles Thema, gerade in Bezug auf die männlichen Küken wo vor kurzem ein Verbot gegen die Tötung zugestimmt wurde:
    http://m.dw.com/de/kein-verbot-f%C3%BCrs-schreddern-von-h%C3%BChnerk%C3%BCken/a-17015304

    Antworten
    1. Alf (Beitrag Autor)

      Vielen Dank für deinen Beitrag und den Link. Ich finde es echt erstaunlich, dass diese Praxis weiterhin geduldet wird. Wenn man das umgehen will, gibt es zum Beispiel die Initiative „Bruderhahn“, bei der männliche Küken nicht direkt getötet, sondern für eine spätere BIO-Mast mit aufgezogen werden. Weitere Infos dazu gibt es hier: http://www.bruderhahn.de/

      Antworten

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*