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Konsum-Szene: Minimalismus als Lebensstil

Minimalismus als Lebensstil

Minimalismus gibt es doch in der Kunst, oder? Da wird mit möglichst einfachen Stilmitteln gearbeitet und auf alles Überflüssige verzichtet. Beim minimalistischen Lebensstil ist es ähnlich: Sich überlegen, was entbehrlich ist und dann mit dem leben, was man wirklich braucht. Wie das für die einzelne Person konkret aussieht, kann sehr unterschiedlich sein…

Grundgedanke des minimalistischen Lebensstils

Für Minimalismus gibt es keine einheitliche Definition, aber Minimalismus und freiwilliger Verzicht hängen eng miteinander zusammen. Minimalisten kommen zu dem Schluss, gewisse Dinge nicht zu benötigen und alles für sie Überflüssige aus ihrem Leben zu entfernen. Vielleicht ist das Ganze als eine Art Gegenentwurf zur Konsumgesellschaft zu verstehen: Nicht mehr  nur dem schnöden Mammon frönen, sondern das Glück gerade auch im Verzicht und der sich daraus ergebenden Unabhängigkeit finden. Unabhängigkeit und Freiheit sind zwei Aspekte, die ich im Zusammenhang mit Minimalismus häufiger gelesen habe. Wenn man weniger besitzt, gibt es einfach weniger Dinge, die man verlieren kann und um die man sich kümmern muss. Gleichzeitig erhöht man seine Flexibilität und persönliche Bewegungsfreiheit. Minimalisten können aber auch Personen sein, für die es einfach sehr wichtig ist, nachhaltig zu Leben. Minimalistisch Leben bedeutet dann vielleicht, über Konsumverzicht etwas Gutes für die Umwelt zu tun.

Wenn schon die Gründe für Minimalismus so breit gefächert sind, dann wird er wahrscheinlich auch sehr unterschiedlich ausgelebt. Vielleicht können sehr strikte Anhänger ihr ganzes Hab und Gut in zwei Koffer packen, wo gemäßigtere Minimalisten schon stolz auf den Verzicht ihres Autos sind. Für jeden werden es sehr unterschiedliche Dinge sein, auf die man überhaupt verzichten möchte. Die Eine hat ihre Möbel aus der Wohnung  entfernt und schläft auf der Matratze, der Andere kauft sich einfach keine materiellen Sachen mehr, die er auch digital haben kann. Wiederum andere tauschen ihre Sachen, oder stellen, was sie brauchen, selbst her. Auch Second Hand Produkte oder Containern sind im Minimalismus denkbar, mitunter als Statement gegen unsere „Wegwerfgesellschaft“. Wo dieser Lebensstil anfängt und wo er aufhört, darüber habe ich leider noch nichts gefunden. Dass er aber relativ im Trend liegt, das scheint klar: Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Büchern, Blogs und Vlogs von Personen, die zumindest für einen gewissen Zeitraum minimalistisch gelebt haben.

Zwei Minimalismus-Persönlichkeiten

Es gibt natürlich auch Personen, die so eine Szene prägen oder auch über sie hinaus bekannt werden. Als Außenstehender fallen mir besonders Heidemarie Schwermer und Dave Bruno ins Auge.

Dave Bruno ist Amerikaner und hat das Buch „The 100 Thing Challenge“ geschrieben. Seiner Aussage nach kam er auf die Idee beim Aufräumen seines Hauses. Überall sei bei ihm reines Chaos gewesen. Also hat er sich dazu entschieden, seinen Besitz auf etwa 100 Dinge zu reduzieren und damit ein ganzes Jahr zu leben. Das Aussortieren fing bei Klamotten angefangen, ging über Werkzeuge, bis hin zu Büchern und seiner geliebten Gitarre. Auf Youtube findet sich nicht nur ein Interview von ihm beim CBN, sondern auch viele andere Personen wurden von Dave Bruno inspiriert und haben seine Challenge angenommen. Wenn du mehr über Dave erfahren willst, schau auf seinem Blog vorbei: http://davidmichaelbruno.com.

Heidemarie Schwermer scheint viele Personen mit ihrem minimalistischen Lebensstil inspiriert zu haben. Sie lebte nach ihren Jobs als Lehrerin und Psychotherapeutin – und solange es für sie gesundheitlich möglich war – ohne Geld, ohne eigene Wohnung und ohne Versicherungen. 1994 gründete sie den Tauschring „Gib und Nimm“, über den so ziemlich alles getauscht werden konnte. Das ermöglichte es ihr, alles aufzugeben und zum Beispiel in Häusern von Mitgliedern des Vereins zu leben, während diese abwesend waren. Kleidung oder Lebensmittel ertauschte sie, anstatt dafür zu bezahlen. Nach ihrer Aussage fegte sie zum Beispiel den Hof für ein paar Kartoffeln oder erhielt Kleidung für eine psychotherapeutische Beratung. Heidemarie Schwermer hat viele ihrer Erfahrungen und Ansichten zum Minimalismus auf ihrem Blog geteilt, es gibt die Dokumentation „Living without money“ über ihr Leben und sie hat mehrere Bücher zu diesem Thema geschrieben. Auch auf Youtube findest du einige Interviews, Präsentationen und Dokus.

Manchmal geäußerte Kritik am Minimalismus

Trotz aller auf den ersten Blick positiv erscheinenden Ansätze, die dem minimalistischen Lebensstil entspringen, gibt es auch immer wieder kritische Stimmen. Minimalistisch Leben könnten ja eigentlich nur die, die die freie Entscheidung haben, zu verzichten. Ärmere Menschen wären hiervon erstmal ausgeschlossen. Die Frage, die sich einigen Personen stellt, ist die, ob unser kapitalistisches System es überhaupt aushalten würde, wenn alle minimalistisch leben würden, da wir ja auf Wachstum angewiesen seien. Ein weiterer, angeführter Kritikpunkt ist der, dass das Ganze auch auf Kosten anderer oder der Gesellschaft geschehen könne. Dies sei dann der Fall, wenn Personen, die es eigentlich nicht müssten, Containern gehen, anstatt sich Lebensmittel zu kaufen. Schlussendlich könnte das Aussortieren und immer radikalere Verringern des eigenen Besitzes auch zu einer Sucht werden, die der Anfangs angestrebten Freiheit wohl mehr als engegensteht. Wo ist also das gesunde minimalistische Maß anzusiedeln? Ich weiß es (noch) nicht…

Was haltet ihr denn vom Minimalismus? Könnt ihr die Kritik nachvollziehen? Und, wie und wo verzichtet ihr denn bei euch schon auf den einen oder anderen Konsum? Schreibt’s in die Kommentare 🙂

Quellen

http://www.faz.net/aktuell/stil/leib-seele/ein-neuer-lebensstil-erwaechst-der-minimalismus-13994513-p3.html

https://www.goethe.de/de/kul/mol/20504750.html

http://neueseite.heidemarieschwermer.com/

http://www.urgeschmack.de/minimalismus-mehr-geld-zeit-ruhe-liebe/

https://www.youtube.com/watch?v=P7AdVFz1npI

http://www.zeitgenossen-podcast.de/nach-dem-minimalismus/

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