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Serie „Bewusster Konsumieren“ #1: Macht uns viel Besitz glücklich?

Macht Besitz glücklich?

Macht uns Besitz glücklich? Wir haben oft Dinge in drei- oder vierfacher Ausführung und solche, die wir vielleicht nur alle zwei Jahre wirklich brauchen. Vielleicht nervt uns der ganze Kram manchmal auch, weil wir keinen Platz mehr für ihn in unserer Wohnung finden. Oder irgendwas geht immer kaputt und muss natürlich ersetzt werden. Aber bei der ganzen Verantwortung, die Besitz mit sich bringt, macht es nicht auch Spaß, neue Dinge zu kaufen? Es stellt sich also die Frage, warum wir vielleicht so viel besitzen und ob das Ganze mit unserem Wunsch nach glücklich sein zusammenhängen könnte…

Hängen Besitz und Glück zusammen?

Das ist eine gute Frage: Ganz platt gesagt, müssten in Deutschland dann mit die glücklichsten Menschen der Welt leben. Der World Happiness Report von 2014 sieht Deutschland jedoch „nur“ auf Platz 26 weltweit, noch hinter Ländern mit einem geringeren Bruttoinlandsprodukt, wie zum Beispiel dem Oman, Venezuela oder Brasilien. Besitz allein scheint also nicht auszureichen, um glücklich zu sein. Warum ist das so?

Besitz ist erst einmal toll. Er gibt Sicherheit und man ist frei, wann, wie und wofür man ihn nutzt. Gerade Menschen mit wenig Einkommen können vielleicht durch Mehrbesitz ihre Grundbedürfnisse befriedigen. Die Psychologie sieht an diesem Punkt auch einen starken Zusammenhang zwischen Besitz-, beziehungsweise Wohlstand und Glück. Aber was ist, wenn wir immer mehr besitzen? Brickman, Coates und Janoff-Bullman haben herausgefunden, dass  ein Glücksempfinden immer mit dem aktuellen Status quo eines Menschen zu tun hat. Wenn ich mir etwas Neues anschaffen kann, dann erlebe ich vielleicht in dem Augenblick Glück, gewöhne mich dann aber relativ schnell an die Situation und das Glück lässt nach. Danach muss ich wieder nach etwas Neuem streben, um das Glück noch einmal zu empfinden. Wenn ich jetzt also einen riesigen Fernseher kaufe, bin ich erstmal glücklich. Nach einiger Zeit ist der Fernseher für mich dann zur Normalität geworden und – um dasselbe Glücksgefühl nochmal zu empfinden – müsste ich tendenziell ein noch größeres TV-Gerät besorgen. Oder, anders ausgedrückt: Von meinem ersten Gehalt groß Essen zu gehen, war der Hammer, aber heute ist es vielleicht nichts Besonderes mehr, sich in ein Restaurant zu setzen.

Streben nach Glück über mehr Besitz – Ein Teufelskreis?

Wenn wir Glück mit Konsum verbinden, machen wir uns abhängig vom Konsum, oder? Wir brauchen dann Konsum, um Glück zu empfinden: Wenn der normale Restaurantbesuch nichts mehr Besonderes ist, dann kann ich öfter, schicker oder teurer Essen gehen, um dasselbe Glück wie am Anfang nochmal zu erleben. Aber was kommt dann? Vielleicht ist das vergleichbar mit einem Süchtigen, der immer größere und häufigere Dosen braucht, um dieselbe Wirkung zu erzielen. Genauso verhält es sich mit dem Besitz von Dingen, wenn ich darüber mein Glück beziehen will: Ich brauche immer mehr, immer teurere oder immer häufiger Produkte, um mein Glücksempfinden für jeweils kurze Zeit wiederherzustellen. Und „normale“ Dinge werden zum Standard und tragen zur Befriedigung gar nicht mehr bei. Aber wohin kann das Streben nach immer mehr führen? Vielleicht zum Kauf von Dingen, die man gar nicht braucht? Zur Aufnahme von Krediten, um Produkte zu finanzieren, die man sich im Moment eigentlich gar nicht leisten kann? Kann Besitz dann nicht auch unglücklich machen?

Macht uns viel Besitz glücklich?

Um zur Ausgangsfrage zurückzukommen: Es wird mit steigendem Wohlstand immer schwieriger, über Besitz glücklich zu bleiben. Wir gewöhnen uns an einen gewissen Lebensstil und wenn dieser zur Normalität geworden ist, müsste was Neues kommen. Bei Menschen mit weniger Einkommen hängt Glück stärker mit steigendem Wohlstand und Besitz zusammen, insofern es zur Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse beiträgt. In Deutschland geht es sehr vielen Menschen wahrscheinlich eher so, dass sie alles Grundlegende besitzen und dann wird es immer schwieriger, Glück über Besitz zu empfinden. Da Glück gemäß psychologischer Erkenntnisse immer nur eine Zeitlang andauert, wird uns viel Besitz tendenziell also nicht langfristig glücklich machen. Man bräuchte halt immer mehr von demselben und begibt sich in eine Abhängigkeitssituation. Wir befinden uns dann in einer Art Konsum-Hamsterrad, aus dem man relativ schwer wieder rauskommt.

Ich glaube, die Erkenntnis, dass der Erwerb eines teuren Autos wahrscheinlich nicht dauerhaft glücklich macht, hilft, um zu reflektieren, ob dieser Kauf einen in dieser Hinsicht wirklich so weiterbringt. In anderen Aspekten kann ein neues Auto natürlich vieles vereinfachen, die Frage ist halt, ob man ein Auto als Reinkarnation des Glücks oder einfach als praktisches Fortbewegungsmittel sieht…

Wie geht es euch mit diesem Thema? Habt ihr mal gedacht, dass euch der Besitz von etwas glücklich machen wird und es kam dann anders? Schreibt euer Feedback und eure Gedanken gerne in die Kommentare!

Ausblick zu Teil 2 der Serie „Bewusster Konsumieren“

Nicht nur die Verbindung von Glück und Besitz lässt uns Dinge kaufen. Oftmals spielen Statussymbole, gesellschaftliche Anerkennung und Erwartungen eine Rolle bei unseren Kaufentscheidungen. Genau darum wird es in dem nächsten Artikel dieser Serie gehen…

In der Serie „Bewusster Konsumieren“ geht es um die Reflektion und die Änderung unseres Konsumverhaltens, um Stolpersteine, Schwierigkeiten, aber auch um kleine und große Erfolge, die mit unserem Konsum zusammenhängen.

Quellen

http://www.gluecksarchiv.de/inhalt/psychologie_glueckskonzepte.htm

http://worldhappiness.report/wp-content/uploads/sites/2/2015/04/WHR15.pdf

http://psycnet.apa.org/journals/psp/36/8/917/

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