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Mehrweg oder Einweg – Welche Flaschen sind besser für die Umwelt?

Mehrweg- oder Einwegflasche: Was ist besser für die Umwelt?

Auf Neudeutsch gesagt: Es gibt Beef in der Getränkeindustrie! Die Mehrweg- und Einwegfraktion sind sich nach außen hin nicht einig, welches System das umweltfreundlichere ist. Es werden Studien in Auftrag gegeben, die die eigene Meinung unterstützen oder „unabhängige“ Studien entsprechend interpretiert und diese Ergebnisse kommuniziert. Das macht es nicht einfacher zu bewerten, ob Mehrweg- oder Einwegflaschen umweltfreundlicher sind. Aber wir werden unser Bestes geben!

Zum Getränkemarkt in Deutschland

Wir kaufen und trinken etwa 700 Liter Flüssigkeit pro Jahr. Dazu gehörten in 2014 durchschnittlich 145 Liter Wasser, 120 Liter Erfrischungsgetränke und 32 Liter Säfte (Zur kompletten Statistik: http://de.statista.com). Diese ganzen Getränke müssen wir natürlich auch in unsere Buden schleppen. Für ihre Abfüllung und Bereitstellung gibt es in Deutschland Einweg-, Mehrwegflaschen-Systeme und ökologische Verpackungen mit Pappe als Grundstoff. Der Getränkemarkt hat sich in der Hinsicht die letzten 25 Jahren stark geändert. 1991 wurden knapp 72 % aller Getränke in Mehrwegflaschen abgefüllt, 2013 waren es nur noch etwa 41 %. Für den zunehmenden Erfolg von Einwegsystemen scheinen unterschiedliche Gründe eine Rolle zu spielen: PET-Einwegflaschen gibt es oft auch in Vierer- und Sechsergebinden, also nicht ganz so viel und schwer zu schleppen wie bei einer Kiste voller Glasflaschen. Für die Händler ergeben sich außerdem Kostenvorteile, da sie keine Mehrwegflaschen vorsortieren müssen und weniger Lagerhaltung haben. Sowas kann sich natürlich auch auf Getränkepreise auswirken. Wie bereits erwähnt, versuchen beide Lager über den Umweltschutz ihre potenziellen Kunden vom eigenen System zu überzeugen. Dies geschieht zum Beispiel über die Erstellung von Ökobilanzen, bei denen die Umweltauswirkungen unterschiedlicher Flaschentypen bewertet und miteinander verglichen werden. Aber bevor es mit den Ökobilanzen losgeht, werfen wir noch einen kurzen Blick auf die Flaschentypen selbst.

Einwegflaschen – Müll, Recycling und mehr

Einwegflaschen bestehen heutzutage aus Glas oder PET. Die Glasflaschen werden häufig für Spirituosen verwendet und in der Regel über Altglascontainer entsorgt. Das Altglas kann dann eingeschmolzen und neu verarbeitet werden. PET-Einwegflaschen bestehen meist aus viel dünnerem Kunststoff als Mehrwegverpackungen und kommen entweder in den Plastikmüll oder können über das Einweg-Pfandsystem im Supermarkt abgegeben werden. Auch PET-Flaschen können recycelt- und zum Beispiel mit frischem Kunststoff zusammen zu neuen Flaschen verarbeitet werden. Die Abfälle lassen sich aber auch zur Herstellung von Polyester-Textilfasern nutzen oder kommen in Verbrennungsanlagen zur Energiegewinnung.

Mehrwegflaschen – Wiederverwendung statt Neuproduktion

Mehrwegflaschen bestehen auch aus Glas oder PET. Der Unterschied zum Einwegsystem ist jedoch, dass sie mehrmals befüllt und genutzt werden, Glasflaschen bis zu 50 Mal und PET bis zu 25 Mal. Wie funktioniert das Mehrwegsystem? Wenn wir das Leergut zum Händler bringen, kommt es über einen Großhändler wieder zurück zum jeweiligen Hersteller. Dort werden die Flaschen kontrolliert, gereinigt und wieder befüllt. Danach geht es wieder über den Großhändler zum Händler zurück und der Kreislauf beginnt vom neuem.

Ökobilanzen für Mehrweg- und Einwegflaschen – Was ist nun besser für die Umwelt?

Aber welche Flaschenart ist jetzt umweltfreundlicher? Um das zu beantworten, können zum Beispiel Studien und Ökobilanzen erstellt werden. Aber das Witzige ist, dass je nach Auftraggeber oder interpretierender Organisation die Ergebnisse sehr unterschiedlich ausfallen. Bei der Erstellung von Ökobilanzen wird der komplette Lebenszyklus einer Flasche von der Produktion bis zur Entsorgung angeschaut und insgesamt bewertet. Dazu gehören Rohstoffgewinnung, Produktion, Transport und Entsorgung der Flaschen. Die Mehrwegflasche wird im Gegensatz zur Einwegverpackung ja zum Beispiel nicht immer wieder neu produziert, muss dafür aber immer wieder gewaschen, gelagert und neu abgefüllt werden. Und diese ganzen Faktoren miteinander vergleichbar zu machen und ökologisch zu bewerten ist Aufgabe von Ökobilanzen.

Die neuesten, mir bekannten Ökobilanzen für Mehrweg- und Einwegflaschen sind aus dem Jahr 2010 und wurden jeweils vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU) erstellt:

Wenn man sich die Auftraggeber mal anschaut, werden die gewünschten(!) Ergebnisse der jeweiligen Ökobilanz vielleicht klarer, oder? So wurden diese dann auch sehr unterschiedlich interpretiert und in den Medien diskutiert. Daraufhin hat auch das IFEU als Auftragnehmer reagiert und folgende Stellungnahme herausgebracht:

„Die komplexen Ergebnisse dieser Studien sind unserer Ansicht nach in den Medien zum Teil verkürzt wieder  gegeben  worden,  was  zu  einer  falschen  Wahrnehmung  der  Studien  und  der  Arbeit des  IFEU  führen  könnte“ (Quelle: http://www.ifeu.de/oekobilanzen/pdf/IFEU%20Handreichung%20zur%20Einweg-Mehrweg-Diskussion%20%2813Juli2010%29.pdf).

Das IFEU stellt in diesem Schreiben auch noch einmal die Ergebnisse der Ökobilanzen zusammenfassend dar. Auf diese beziehe ich mich jetzt:

  • PET-Mehrwegflaschen sind die ökologisch günstigsten Verpackungen, wenn sie regional wieder abgefüllt werden können. Die kurzen Transportwege im Gegensatz zu anderen Flaschentypen sind hier ein Vorteil. Bei Individual-Mehrwegflaschen kann dieser Vorteil wieder etwas aufgebraucht werden, wenn sie zum Beispiel nur an einem Ort in Deutschland wieder befüllt werden können. Individualflaschen werden oft auf Marketingzwecken hergestellt, um sich von anderen Getränkemarken abzuheben.
  • Wenn man gleiche Flaschengrößen miteinander vergleicht, schneiden Glas-Mehrwegflaschen besser ab als Einwegverpackungen.
  • Eine Flasche mit mehr Volumen schneidet ökologisch tendenziell besser ab als ein kleineres Gebinde. Bei dem Vergleich einer 1,5 l PET-Einwegflasche mit einer 0,7 l Glas-Mehrwegflasche konnte das IFEU weder einen ökologischen Nachteil noch einen Vorteil feststellen. Dieses Ergebnis konnte aber auch nur bei PET-Flaschen festgestellt werden, deren Herstellung und Distribution optimiert worden sind.

Was bedeuten die Ergebnisse für uns Konsumenten?

Zusammenfassend sieht das IFEU Mehrweg- gegenüber Einwegsystemen aus ökologischer Sicht im Vorteil und empfiehlt dem Kunden entsprechend einen Kauf von regional abfüllbaren Mehrwegflaschen. Die Frage ist jetzt: Wie wichtig  ist uns der ökologische Vorteil gegenüber vielleicht anderen praktischen Vorteilen von Einwegflaschen, wie den teilweise größeren Verpackungen oder der leichteren Transportierbarkeit. Auf jeden Fall machen es die jeweiligen Interessensverbände nicht unbedingt leicht, eine Bewertung der Verpackungssysteme vorzunehmen. Vielleicht wäre doch das Wasser aus der Leitung ein Weg, um dieser Problematik aus dem Weg zu gehen? 😉

Quellen

http://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Ernaehrung/Lebensmittelbuch/LeitsaetzeErfrischungsgetraenke.pdf?__blob=publicationFile

http://www.bmub.bund.de/fileadmin/Daten_BMU/Bilder_Infografiken/verpackungen_mehrweganteile.png

http://www.bv-gfgh.de/gemeinsame-pressemitteilung-mehrwegflaschen-sind-am-umweltfreundlichsten/

http://de.statista.com/statistik/daten/studie/219408/umfrage/pro-kopf-verbrauch-von-getraenken-in-deutschland/

http://www.duh.de/4008+M55486ef677a.html

http://www.focus.de/wissen/klima/tid-22125/verpackung-mehrweg-versus-einweg_aid_622543.html

http://www.fr-online.de/wirtschaft/pfandsystem-einwegflaschen-auf-dem-vormarsch,1472780,25645554.html

http://www.ifeu.de/oekobilanzen/pdf/IFEU%20Handreichung%20zur%20Einweg-Mehrweg-Diskussion%20%2813Juli2010%29.pdf

http://www.mehrweg.org

https://www.test.de/Verpackungen-fuer-Mineralwasser-Mehrwegflaschen-besser-4293824-0/

 

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